Gelbe Ölkapseln auf Holzlöffel, grüne Kapseln und Pulver in Schalen, Ölfläschchen
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Pflanzliches Omega-3 bei Frühchen: Studie zeigt weniger Hirnentzündung als Fischöl

Eine Ferkelstudie zeigt: Pflanzliches Omega-3 aus Ahiflower-Öl senkt Hirnentzündung bei künstlicher Ernährung stärker als Fischöl, trotz gleicher DHA-Werte.

Kirill Seregin
Beitrag von
Aktualisiert am
13.10.2026
Veröffentlicht am
13.10.2026

Inhaltsverzeichnis6
  1. 1Das Wichtigste in Kürze
  2. 2Was die Forscher untersucht haben
  3. 3Die Ergebnisse jenseits von DHA
  4. 4Einordnung der Fachleute
  5. 5Was die Studie nicht zeigt
  6. 6FAQ: Häufig gestellte Fragen

Forscher der University of Alberta haben in einer Ferkelstudie gezeigt, dass ein pflanzliches Omega-3-Fettgemisch namens Vegaven die Hirnentzündung bei künstlich ernährten Neugeborenen deutlich stärker senkt als eine Fischöl-Emulsion. Im Vergleich zu SMOFlipid, einer in der parenteralen Ernährung von Frühchen etablierten Fettlösung, zeigte die Vegaven-Gruppe zudem höhere Stoffwechselaktivität, bei gleichzeitig ähnlichen DHA-Werten im Gehirn.

Was die Forscher untersucht haben

Frühere Studien zu Fettlösungen in der parenteralen Ernährung von Frühchen konzentrierten sich vor allem auf eine Zahl: wie viel DHA und Arachidonsäure im wachsenden Gehirn ankommen. Zaugg und Lucchinetti erweiterten den Blick auf Entzündungsmarker, Energiestoffwechsel und Signalwege des Hirnwachstums.

Vegaven enthält Alpha-Linolensäure (ALA) und Stearidonsäure (SDA) aus Ahiflower-Öl, kurzkettige pflanzliche Omega-3-Fettsäuren mit 18 Kohlenstoffatomen, die der Körper in EPA und DHA umwandeln kann. SMOFlipid liefert EPA und DHA dagegen direkt über Fischöl.

Für den Versuch erhielten neugeborene weibliche Ferkel 14 Tage lang ausschließlich parenterale Ernährung, entweder mit Vegaven oder mit SMOFlipid als Fettkomponente. Die zwei Wochen decken einen erheblichen Teil der frühen postnatalen Wachstumsphase des Gehirns ab.

Die Ergebnisse jenseits von DHA

Der auffälligste Befund: Beide Gruppen erreichten nach 14 Tagen ähnliche DHA-Werte im Gehirn, obwohl die Fettquelle komplett unterschiedlich war. Die pflanzlichen Vorstufen aus Vegaven lieferten offenbar genug Rohstoff für die körpereigene Umwandlung.

Trotz vergleichbarer DHA-Werte unterschieden sich die beiden Gruppen deutlich in anderen Messgrößen. Die Vegaven-Gruppe zeigte niedrigere Entzündungsmarker im Hirngewebe als die SMOFlipid-Gruppe.

Gleichzeitig war die Stoffwechselaktivität in der Vegaven-Gruppe höher, mit stärkeren Signalen für Wachstum und Zellreparatur. Die SMOFlipid-Gruppe zeigte dagegen mehr Anzeichen von Energiestress im Hirngewebe.

Einordnung der Fachleute

Dr. Richard Bazinet, Professor an der University of Toronto und nicht an der Studie beteiligt, hob besonders die ähnlichen DHA-Werte nach 14 Tagen hervor. Er ordnete das Ergebnis als Erweiterung einer wachsenden Evidenzlage ein, wonach kurzkettige pflanzliche Omega-3-Fettsäuren bei Erwachsenen die Hirn-DHA-Werte aufrechterhalten können. Diese Studie übertrage den Befund erstmals auf Ferkel unter parenteraler Ernährung.

Warum sich Entzündung, Stoffwechsel und Signalwege zwischen den Gruppen unterschieden, obwohl die DHA-Werte vergleichbar blieben, bleibt laut Bazinet die zentrale offene Frage. Das deute darauf hin, dass die kurzkettigen Fettsäuren selbst eine Rolle spielen könnten, unabhängig vom reinen DHA-Gehalt.

Zaugg nennt Entzündungsregulation als möglichen Mechanismus: Frühere Arbeiten seiner Gruppe zeigten, dass sich die 18-Kohlenstoff-Fettsäuren aus Vegaven in entzündungsregulierende Verbindungen umwandeln lassen. Das könnte den Stoffwechsel von Gewebeabbau hin zu Wachstum und Reparatur verschieben.

Was die Studie nicht zeigt

Die Ergebnisse stammen ausschließlich aus dem 14-tägigen Ferkelmodell. Vegaven wurde bislang weder am Menschen noch über die intravenöse Route klinisch geprüft. Die Studie maß zudem keine Bildung oder Reifung von Nervenzellverbindungen, sodass offen bleibt, ob sich die gemessenen Stoffwechselunterschiede auf die spätere Hirnfunktion auswirken.

Laut Zaugg wurde Vegaven zuvor bereits in Mäusen sowie in männlichen und weiblichen neugeborenen Ferkeln getestet, mit Vorteilen in Gehirn, Leber, Immunsystem und Stoffwechsel gegenüber Fischöl-Emulsionen. Ahiflower-Öl selbst kam darüber hinaus bereits oral in Humanstudien zur Ernährung zum Einsatz.

Zaugg bremst die Erwartungen an eine baldige klinische Anwendung: Vegaven bewege sich aktuell von der späten präklinischen Entwicklung in Richtung früher klinischer Forschung, ein Einsatz in der parenteralen Praxis sei derzeit nicht absehbar.

Passend zum Thema: Omega 3 im Vergleich.

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Nein. Vegaven befindet sich laut Zaugg aktuell am Übergang von der späten präklinischen Entwicklung zur frühen klinischen Forschung, nach vorherigen Tests in Mäusen sowie männlichen und weiblichen Ferkeln. Es wurde bislang nicht am Menschen infundiert, ein Zulassungsweg für die parenterale Anwendung existiert bislang nicht.

Ahiflower-Öl wird aus den Samen von Buglossoides arvensis gewonnen, einer Pflanze aus der Familie der Raublattgewächse. Es enthält mit rund 63 Prozent einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, davon etwa 42 Prozent Alpha-Linolensäure und 17 Prozent Stearidonsäure, und wird auch außerhalb der Frühchen-Forschung bereits oral in Ernährungsstudien am Menschen eingesetzt.

Fischölhaltige Fettemulsionen wie SMOFlipid gelten in vielen Kliniken als bevorzugte Wahl gegenüber reinen Sojaöl-Emulsionen, weil sie direkt EPA und DHA liefern. Internationale ESPGHAN/ESPEN-Leitlinien empfehlen bei einer parenteralen Ernährung über wenige Tage hinaus zusammengesetzte Fettemulsionen mit oder ohne Fischölanteil anstelle reiner Sojaöl-Präparate.

Da sich kurzkettige pflanzliche Omega-3-Fettsäuren im Körper in EPA und DHA umwandeln lassen, sehen Fachleute wie Bazinet hier auch für Erwachsene mit begrenztem Zugang zu Fischöl oder für vegan orientierte Ernährungskonzepte potenziellen Nutzen. Belastbare klinische Daten für diese Anwendungsfelder stehen jedoch noch aus.