Kapseln, weiße Tabletten und Pulver auf Holzlöffel vor Dosen, Tropfflasche und Blister
©OpenAI gpt-image-1.5 · Künstlich erzeugt.

Magnesium-Test: Öko-Test findet bei jedem zweiten Präparat Kritik

Öko-Test hat 28 Magnesium-Präparate geprüft: Jedes zweite überschreitet die Tageshöchstmenge von 250 mg, bis zu 400 mg stecken in einer Tagesdosis.

Kirill Seregin
Beitrag von
Aktualisiert am
08.10.2026
Veröffentlicht am
08.10.2026

Inhaltsverzeichnis6
  1. 1Das Wichtigste in Kürze
  2. 2Wie Öko-Test getestet hat
  3. 3Talkum, Süßstoffe und Co.: welche Zusatzstoffe konkret gefunden wurden
  4. 4Worauf beim Kauf achten
  5. 5Warum die meisten Präparate laut Öko-Test überflüssig sind
  6. 6FAQ: Häufig gestellte Fragen

Öko-Test hat 28 Magnesiumpräparate im Labor geprüft und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Jedes zweite Produkt überschreitet die empfohlene Tageshöchstmenge für Magnesium, mehrere enthalten zudem umstrittene Zusatzstoffe wie Talkum oder synthetische Süßungsmittel.

Wie Öko-Test getestet hat

Für die Untersuchung kaufte die Redaktion im Dezember 2025 insgesamt 28 reine Magnesiumpräparate ohne weitere Vitamin- oder Mineralstoffzusätze ein, jeweils in der niedrigsten vom Hersteller angebotenen Dosierung.

Experten der Goethe-Universität

Professor Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Mario Wurglics vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt lieferten eine pharmakologische Einschätzung zu Nutzen und Dosierung der Produkte.

Laboranalyse der Gehalte

Ein Labor bestimmte die Magnesiumgehalte im homogenisierten Material aus jeweils drei Packungen pro Präparat per ICP-OES und verglich sie mit der deklarierten Menge auf der Verpackung. Abweichungen von mehr als 45 Prozent nach oben oder 20 Prozent nach unten werteten die Tester als Mangel.

Talkum, Süßstoffe und Co.: welche Zusatzstoffe konkret gefunden wurden

Neben der Dosierung fiel bei mehreren Präparaten die Zusammensetzung negativ auf. In vier der 28 Produkte wiesen die Tester Talkum nach, ein Mineral, das die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) als möglicherweise krebserregend einstuft.

Süßstoffe und Verdickungsmittel

In acht Produkten fanden sich synthetisch hergestellte Süßstoffe wie Aspartam, Cyclamat oder Saccharin, die im Verdacht stehen, Darmflora und Blutzuckerspiegel ungünstig zu beeinflussen. Hinzu kamen das Verdickungsmittel Carboxymethylcellulose und der Emulgator Polysorbat 80, die laut Öko-Test in Tierstudien die Darmflora negativ beeinflusst haben.

Worauf beim Kauf achten

Vorteile

  • Präparate ohne Talkum oder Süßstoffe wählen
  • Tagesdosis unter der BfR-Höchstmenge von 250 Milligramm Magnesium bevorzugen
  • Auf Warnhinweise zu Wechselwirkungen mit Medikamenten achten
  • Produkte mit Aufteilung auf mehrere Tagesportionen bevorzugen

Nachteile

  • 14 von 28 Testprodukten überschreiten die empfohlene Tageshöchstmenge
  • Talkum in vier, Süßstoffe in acht Präparaten nachgewiesen
  • Warnhinweise zu Medikamenten-Wechselwirkungen fehlen häufig auf der Verpackung
  • Einige Anbieter bewerben Produkte bereits ab vier oder zwölf Jahren ohne passende Dosierungshinweise

Warum die meisten Präparate laut Öko-Test überflüssig sind

Für gesunde Erwachsene hält Öko-Test die Einnahme eines Magnesiumpräparats in aller Regel für unnötig. Der Tagesbedarf lässt sich über Vollkornprodukte, Nüsse und Blattgemüse decken.

Einordnung in unsere Testreihe

Bei Magnesium Verla direkt haben wir genau geprüft, wie die Dosierung zur empfohlenen Tagesmenge passt. Auch bei Orthomol Vital F zeigt der Preis von 67,29 Euro für 30 Portionen, dass ein hoher Preis allein keine durchdachte Dosierung garantiert.

Keine Wirkung gegen Muskelkrämpfe

Auch das verbreitete Werbeversprechen gegen nächtliche Wadenkrämpfe hält der aktuellen Datenlage laut den Frankfurter Experten nicht stand: Für die Prävention von Muskelkrämpfen bei älteren Erwachsenen sehen sie keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage.

Passend zum Thema: Melatonin im Vergleich.

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Magnesiumoxid enthält mit rund 60 Prozent zwar den höchsten Anteil an elementarem Magnesium, wird vom Körper aber nur zu etwa 4 Prozent aufgenommen. Magnesiumcitrat hat mit rund 16 Prozent einen niedrigeren Magnesiumanteil, gilt laut Studien dafür als deutlich besser bioverfügbar. In der EU sind laut Verbraucherzentrale über 20 Magnesiumverbindungen für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, darunter auch Magnesiumbisglycinat und Magnesiumlactat.

Bereits ab 300 Milligramm zusätzlichem Magnesium pro Tag kann es bei manchen Erwachsenen zu Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden kommen. Deutlich gefährlicher wird es laut Fachquellen ab etwa 2.500 Milligramm pro Tag, dann drohen Blutdruckabfall, Muskelschwäche oder in Extremfällen Herzrhythmusstörungen.

Besonders wichtig ist die ärztliche Abklärung für Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, da sich Magnesium bei ihnen im Körper anreichern kann. Auch wer Diuretika gegen Bluthochdruck einnimmt, sollte vorher Rücksprache halten, da diese Medikamente den Magnesium-Verlust über die Nieren erhöhen können.

Nach aktueller Studienlage ist das bei älteren Erwachsenen laut den Frankfurter Pharmazie-Experten nicht ausreichend belegt. Als Ursachen für nächtliche Krämpfe gelten stattdessen häufiger Flüssigkeitsmangel, Überforderung der Muskulatur durch Sport oder falsches Schuhwerk, weshalb Dehnübungen und ausreichend Trinken oft wirksamer sind als ein zusätzliches Präparat.